Neulich tauchte in meiner monatlchen (kostenlosen) Hotline (für birkenbihl-Brief-Leser) wieder mal eine Frage auf, die so oft komt, daß ich sie in den Birkenbihl-Brief (für März 2010) vorgesehen habe. Aber ich möchte hier eine längere Antwort als im Brief geben (und die Briefleser einladen, sie hier zu lesen), damit ich nicht immer wieder dasselbe erzählen muß. Einige dieser Punkte kommen im Twitter-Seminar in der birkenbihl-internet-akademie.tv vor, aber dort passiert noch einiges, das ich hier NICHT aufnehmen kann, also es lohnt sich auf alle Fälle…
Warum ein Twitter-Seminar?
Dieser Leser meinte, so etwas (= mein Twitter-Seminar) hätte er nicht nötig, nach dem Motto: Was soll ich mit Leuten, die da großartig schreiben: „Ich geh dann mal Kaffee trinken“ anfangen – was soll das? Aber überlegen Sie: Für Mitglieder eines Freundeskreises (Mitarbeiter einer Firma, Freunde an einer Uni), die miteinander in Kontakt stehen, kann es durchaus interessant sein, zu erfahren, was jemand gerade macht, d.h. wer u.U. telefonisch ansprechbar ist und wer nicht. Wenn man nun allen gleichzeitig mitteilen könnte: „Ich trinke jetzt Kaffee“, ohne 20 SMS (die nicht bei allen Telefonverträgen kostenlos sind) an die wichtigsten Personen zu senden, dann wüßten alle (die es interessiert) mit einem Schlag Bescheid. Oder wenn ein Student tweeter: „Ich gehe in die Mensa“, dann weiß man, man kann ihn dort antreffen. Für einen Freundeskreis ist das durchaus sinnvoll. Und genau so begann TWITTER: mit einer kleinen Gruppe, die auf die Idee kam, daßein SMS, gleichzeitig an alle, die man informieren will, schon eine tolle Sache wäre, insbes., wenn es im Internet stattfände (also ohne die damals noch recht hohen SMS-Gebühren). So begann alles. Niemand konnte auch nur ansatzweise ahnen, was sich daraus entwickeln würde, und das ist der zweite Grund, warum ich das Twitter-Seminar veranstaltet habe, vor allem für Leute,die glauben, das wäre wohl eher nichts für sie.
EMERGENTE PHÄNOMENE
Mit „Emergenz“ (wörttich „herauskommen“) meint die Wissenschaft konkret eine Entwicklung, die vorher nicht absehbar war. Als die Leute die ersten Pferde gegen Autos eintauschten, konnte niemand ahnen, daß schnellere Fortgewegung mehr und mehr Leute animieren würde, an die Peripherie der Städte zu ziehen, so daß die Innenstädte vieler Metropolen nachts „ausgestorben“ wurden (so daß immer mehr Restaurants, Theater, Kinos etc. schlossen, wodurch das SOZIALE STADTLEBEN zugrunde ging) während Teile der Städte zu Slums verkamen (was jede Menge krimineller Elemente anzog), so daß die Städte immer unattraktiver(s. Rand) zum LEBEN wurden. Inzwischen hat die Umkehrung begonnen, Leute renovieren billige, heruntergekkommene Stadtteile, es wird wieder chic, in der der Stadt zu wohnen, wenn man es sich leisten kann. Dadurch werden die unattraktiven Elemente in die preiswerteren Wohnviertel gedrängt, so daß er Verfall dort beginnt, wenn die Stadtväter nichts dagegen unternehmen…))) Jedenfalls zog sich das Leben immer mehr nach außen in bestimmte Vororte zurück, so daß letztlich nur noch tagsüber Business In der City stattfand während abends und nachts das soziale Leben auf einige wenige (sichere) Inseln zusammengeschrumpft war. In der Periphereie hingegen befanden sich tagsüber nur Frauen, Kinder und Alte (wie in Kriegszeiten, die Männer fehlten), dies führte zum bekannten Phänomen der sogenannten grünen Witwen, mit allen sozialen Problemen von Frauen, deren Hauptaufgabe darin liegt, die Kinder von Ort zu Ort zu kutschieren (Schule, Musikstunde, Treffen bei einer Freundin, abholen), was ihnen kein Möglichkeit gibt, ihren Arbeitstag selbstbestimmt zu strukturieren, wie das früher in der Stadt möglich war, als die Kinder ihre kurzen Wege autonom zu Fuß zurücklegten und die Haus-Managerin Herrin ihrer Zeit war…
Das alles war nicht zu ahnen, als die ersten Autor auf den Straßen auftauchten. Auch nicht, welches Status-Symbol das Auto werden würde oder daß (derzeit) gigantische Regenwaldflächen abgeholzt werden, um Plantagen für Kokospalmen anzupflanzen, damit Schwellenländer (wie Brasilien) „Bio-Sprit“ nach Europa verschiffen können, was ebenfalls Sprit kostet, so daß wir weit mehr CO-2-Vernichtung zulassen, als durch Bio-sprit je eingespart werden könnte (jeder Liter kostet ca. fünfmal mehr in der CO-2-Balance, als er bringt). All das sind nur einige der EMERGENTEN PHÄNOMENE, die mit dem Auto zusammenhängen. Es gibt auch POSITIVE emergente Phänomene, so brachte das Telefon die Menschen viele Jahrzehnte lang in standig wachsender Bewuemlichkeit zueinander. Einst gab es Telefone für mehrere Parteilen, und Telefonzellen, später private Leitungen pro Familie (heute mehrere pro Person), dann tauchten die ersten portablen Telefone auf (mit dem Apparat konnte man jemanden erschlagen, der Koffer mit Batterie war fast so schwer wie eine Autobatterie) aber der Autofahrer mußte nicht mehr an den Zellen an Autobahn-Rastplätzen Schlange stehen. Nun heute muß man überlegen, ob man per mini-handy (das alles mögliche kann!) wirklich derart leicht zu erreichen sein möchte, aber die Zeiten, als man Menschen nur via Schneckenpost erreichen konnte, wünscht sich wohl niemand zurück… Wiewohl auch die Post mit der Briefmarke, die jede/r sich leisten konnte, ein Meilenstein in der Entwicklung der Möglichkeiten, Menschen zu kontaktieren war, Hunderte von Jahrtausenden davor konnte man nicht einmal Briefe verschicken…
Auch bei Twitter ergaben sich einige emergente Phönomene nacheinander: Die Tatsache, daßMillionen von Freundes- oder Kollegenkreisen diesen Service parallel nutzen können, um sich miteinander auszutauschen, war nur der Anfang. Um nur einige wenige zu nennen:
RETREET (andere zitieren): Bald fingen die Leute an, interessantere Botschaften zu TWEET-en, z.B. den Hinweis (mit LINK) auf einen interessanten Artkel, Video-Clip, ein Musikstück etc.. Das löste in den Twitter-Usern den Wunsch aus, solche TWEETs unmittelbar „zitieren“ zu können, ohne den Inhalt selber eintippen zu müsen und so entstand (zunächst per Copy-Befehl) der RE-TWEET (also das ZITAT). Das fand das Twitter-Management prima, also wurde ein RT-Button integriert, so daß man diesen nur anklicken muß und die Botschaft, geht hinaus. Warum ist das ein PHÄNOMEN, schon gar ein EMERGENTES? Nun, denken Sie mit. Zunächst war man vielleicht nur mit einer einzigen Gruppe bei Twitter, um sich auszutauschen, aber dann entdeckte man, daß dort jemand Interessantes über Themen zu sagen hat, die einen selbst interessieren, also entschloss man sich, ihn zu abonieren, damit man nichts versäumte. Im Lauf der Zeit sammelte man so einige interessante Tweeter und jedesmal, wenn eine/r von ihnen etwas tweetet, das für meine follower (Abonennten) von Interesse sein könnte, klicke ich den RT-Button. Dereit lese ich an die 600 Twitterer und Re-TWEETe innerhalb von 24 Stunden ca. 5 – 10 der interessantesten Infos, Hinweise, Tipps oder Zitate dieser 600. Diese tweeten ja auch nicht ununterbrochen, d.h. ich lese ca. 80 – 100 TWEETS von denen ich dann weniger als 10% weitergebe. Dies ist für meine Abonennten so interessant, daß meine Leserschaft von anfänglichen 70 inzwischen auf 1700 gewachsen ist, ohne daß ich irgendwelche Abonennten-Sammel-Tricks angewandt hätte (die es auch gibt).
ECHTZEIT-News: Sie erleben es immer häufiger, daß große News-Medien Twitter als Quelle angeben (müssen), z.B. stellte ein Mann, der die wunderbare Flugzeug-notlandung im Hudsonriver sah, ein erstes Foto bei Twitter ein, das später alle Welt verörfentlichte. Über Twitter drangen erste Nachnichten und Videospots der demonstrierenden Mönche in Burma oder den Rebellierenden im Iran an die Öffentlichkeit. Zwar konnte dies die unmittelbaren Probleme nicht direkt lösen, aber viel Öffentlichkeit unterstützt demokratisierende Prozesse (weshalb die Machthaber diese Öffentlichkeit ja auch eindämmen wollen).
Interessengemeinschaften: Nicht nur können Interessengemeinden bei Twitter „in touch“ bleiben (manchmal kann man de facto schon fast miteinander chatten) aber es FINDEN sich auch viele Leute via Twitter). Zum einen, weil einem Leute auffallen, die etwas zu sagen haben. Das ergibt manchmal eine Frage, die wird beantwortet und schon bald würde man sich gerne direkt austauschen. Nun auch das war ein emergentes Phänomen, es heißt:
DIRECT MESSAGE (DM): Auf dieser Schiene kann man sich direkt austauschen, z.B. um die persönliche email-Adresse oder Telefon-Nummer mitzuteilen, ohne daß alle das mitbekommen. Auch das eine Entwicklung, die eingangs nicht vorauszusehen gewesen war, lag das Ziel von Twitter eingangs doch gerade in seiner Öffentlichkeit…
Suchmaschine: Wußtenm Sie, daß Twitter die 3.größte Suchmaschine ist? Suchmaschinen Nr. 1 und 2 sind beide google: erstens das normale google und zweitens YouTube (das ja von google gekauft wurde). Nr. 3 ist Twitter, nicht nur für Personen sondern für Themen!! (Es gibt noch einige spannende emergente Phänomene, deshalb das Twitter-Seminar!)
Wollen Sie meine Tweets mitlesen?
Wenn Sie mit einem Mal einen Überblick über meine Botschaften (sog. TWEETS) erhalten wollen, brauchen Sie sich bei Twitter nur anmelden (geht ganz leicht, nur e-mail und ein Paßwort, beide bleiben bei twitter geheim). Dann suchen Sie mich; mein Twitter-Name ist auch ganz leicht: @VeraFBirkenbihl. Man stellt bei einigen sozialen Medien das @-Zeichen vor einen Namen um zu zeigen, daß diese Person mit diesem Namen im System zu finden ist. So „firmiert“ Herr Rechsteiner, der meine blogs betreut und mein Twitter-Coach war mit dem Twitter-namen @pokipsie, an dem @erkennen Sie zwerlei
1. so findet man ihn und
2. es KANN der richtige Name sein (wie bei mir) oder ein Pseudonym, wie bei Herrn Rechsteiner alias @pokipsie.
Wenn Sie mich SUCHEN, landen Sie auf der sog. Profilseite (mit ein wenig Hintergrund-Info und dem Bild), dort können Sie TWEETS anklicken und dann sehen sie die Tweets der letzten Minuten, Stunden, Tage…
Wie verschafft man sich einen Eindruck einer Person bei Twitter?
Ich sehe mir folgende Rubriken auf der Profilseite der Person an:
1. Seine/ihren letzten Tweets. Aber Sie sollten mindestens einige Tage zurückgehen (die neuesten „schwimmen“ obenauf, es geht chronologisch rückwärts, wenn Sie nach UNTEN weiterlesen). Sie müssen nicht alle Tweets lesen, aber einige Tage zürückgehen. Warum? Nun, erstens kann kann jemand an einem Tag eine verärgerte Stimmung gehabt haben. Möchten Sie von Fremden erstmals „eingeschätzt“ werden, wenn Sie gerade sauer sind? Eben! Zweitens hat man manchmal ein Tagesthema und dann denken Fremde, daß dieser Mensch immer nur über das eine Thema tweetet. Das wäre auch schade…
2. Die Rubrik FAVORITES (Favoriten): Beim Lesen der Tweets markiere ich einige als FAV (Symbol: Sternchen), die mir bes. gefallen oder bes. wichtig (WESEN-tlich) erscheinen. Später kann ich unter FAV.s diese Tweets separat abrufen und noch einmal ansehen. Manche Leute markieren nur eigene Tweets als Favoriten, das ist interessant! Denn die FAVs zeigen mir, was jemand lustig, wertvoll, faszinierend etc. findet und das hilft mir, die Person weit besser „kennenzulernen“ als nur seine eigenen Tweets. Denn die eigenen sind von den DERZEITIGEN Interessen und Stimmungen weit stärker geprägt als die Favoriten, denn hier REAGIEREN wir auf Themen, die uns NORMERWEISE interessieren, auch wenn wir diesem Link z.b. HEUTE NICHT nachgehen wollen.
Manche kennzeichnen absolut nichts in dieser Weise. Wenn es eine FIRMA ist, die tweetet, ist das verständlich, weil der Account (bei größeren firmen) oft von mehreren Leuten betrieben wird. Bei Prvatpersonen oder Selbständigen, Freiberuflern etc. finde ich das schade, selbst wenn sie (auch) beruflich twittern. Dies ist so wichtig: Angenommen Sie interessieren sich für Ballet, tweeten aber nie darüber, aber Sie markieren als FAVORITEN tweets (von anderen) über Ballet, dann taucht Ihr Interesse durch die FAV-Rubrik auf. Deshalb ist sie so wichtig. Gibt jemand dort NICHTS an, so ist das interessant. Entweder man möchte möglichst wenig von sich verraten oder man kennt sich bei Twitter noch nicht aus! Das merken Sie aber bald an der Art, wie er/sie sich sonst bei Twitter „benimmt“. Wenn ein Twitter-Kenner keine Favoriten markiert, dann will er/sie sich bedeckt halten. Das ist legitim, aber diese Info an sich ist eben auch interessant, weil es uns „sagt“, daß er „nichts sagen“ will…
3. Die LISTEN. Zum einen sagen unsere Listen sagen auch so einiges über uns aus (vielleicht haben Sie eine Liste zum Thema Ballett?). Darüber hinas sind LISTEN mächtige, stark unterschätzte Twitter-Tools. Es gibt grundsätzlich zwei Listen-Kategorien: vergleichen Sie diese mit unseren ABC-Listen, auch da haben wir beide Arten:
KATEGORIE: EIGENE LISTEN: Sie können aus dem Inneren schöpfen – analog halten Sie mit ihren EIGENEN Listen Dinge fest, die Sie selbst später KONSULTIEREN können. So heißt eine meiner Listen SPRACHEN, DIE MICH INTERESSIEREN. Hier „stecke“ ich Tweets in SPRACHEN, DIE MICH INTERESSIEREN „hinein“. Wenn ich also Lust habe, in meinen Lieblingssprachen zu lesen, oder aus ihnen ins Deutsche zu dekodieren (vgl. meine Sprachenlernen leichtgemacht!), (((rand: Die 33. Auflage, zu 4/5 neu geschrieben, ist da: Sprachenlernen leicht gemacht))) dann öffne ich diese Liste und voila: alle (nicht so häufigen) Tweets auf Holländisch, Italenisch, Französisch, Arabisch, Japanisch, etc.) tauchen auf, ohne von deutschen Tweets unterbrochen zu werden). Eigene Listen zeigen also immer, was der Mensch SUCHT. Ich suche z.B.BLOGGER, FIRMEN, die tweeten, LEUTE, DIE SICH MIT dem MAC AUSKENNEN etc.
KATEGORIE: FREMDE LISTEN: Wenn meine Listen ein Tool für meine eigene gezielte Suche bei Twitter darstellen, so bedeutet das dasselbe für andere Twitter. Wenn jemand mich also in eine seiner Listen „gesteckt“ hat, dann heißt das, daß er/sie meine tweets für hilfreich hält, daß ihm/ihr meine tweets also etwas bedeuten. Wenn er ab und zu die Liste ansieht, könnte er Tweets von mir finden, die er übersehen hatte, weil man ja nicht immer alle Tweets aller Tweeter mitbekommt, denen man folgt. Deshalb ist weniger wichtig, wieviele follower Sie haben; es gibt Mechanismen, mit denen man leicht auf Abertausende von Abonennten kommt. Wenn aber so ein „folgenreicher“ Tweeter nur in 15 Listen „steckt“, dann scheint er/sie doch nicht viel zu tweeten, was für seine gigantische Abonennten-Massen von großem Interesse ist. Deshalb war ich schon ein wenig stolz, als ich (bei ca. 1.600 followers) die 400-er Zahl (in den LISTEN meiner Abonennten) überschritt. Diese Zahl beobachte ich sehr genau, sowohl bei mir als auch bei Leuten, die professionell tweeten (AutorInnen, TrainerInnen u..). Wer seinen beruflichen Erfolg auch mithilfe von Twitter verbessern will, kann hier sehr gut ablesen, inwieweit man ihn als „wichtigen Tweeter“ wahrnimmt. So fülle ich die WEBINARE z.B. ausschließlich durch Info an meine direkten Kontakte, wie auch via Twitter: Ca. 80% der Teilnehmer kommen inzwischen aus „Twitterland“, denn viele meiner Abonennten sind langjährige Fans sind (die mich auch bei Twitter gefunden haben).
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